Hundeleben

Berlins Ureinwohner geben sich betont rauh, damit das goldene Herz nicht sofort erkennbar ist. Ja, ja, ein Klischee. Das Herz ist auch nicht immer golden… Wenig bekannt ist allerdings, dass Berliner auch ihren Haustieren gegenüber eine ambivalente Haltung pflegen. Die lieben sie heiß und innig, machen aber die Hundescheiße nie weg und können ihren Tieren gegenüber ganz schön autoritär sein. Da denke ich doch an eine alte Dame in Neukölln, die ihren Hund psychologisch niederschimpfte, wenn sie ihn Gassi führte. Ich dachte sofort, dass sie früher wahrscheinlich ihren Mann so bekriegt hatte wie jetzt den Hund. „Was du immer machst! Nie hörste auf mich! Zieh nich‘ an der Leine, tu was ich dir sag!“ Vielleicht hat ihr Mann sie auch verlassen wegen des herrischen Tons oder sie hatte nie einen wegen ihrer Unfreundlichkeit. Aber Männer sind manchmal auch fies. Heute in der U-Bahn habe ich einen mit mehreren Hunden gesehen. Er fiel auf. Wegen der vielen Hunde, aber auch weil die Hunde alle von derselben Rasse waren, also nahezu identisch aussahen, aber unterschiedlich groß waren. Das war so als ob jemand Vierlinge hat, die aber 2, 4, 10 und 40 Jahre alt sind. Alle starrten. Der eine Hund begann etwas, was er am Boden fand, zu fressen. Der Mann fing einfach an, den anderen Mitfahrenden zu erklären, dass der Hund immer fräße. Schon von klein auf. Und dann sagte er zu dem Hund: „Na, frisste immer allet, wa, na bist ja’n fettet Schwein, jenau wie dein Vater, der wa och schon n’fettet Schwein.“ Der Hundebesitzer sagte das in wirklich liebevollen Ton. Und wer mit dem Vater gemeint war, blieb unklar. Der Hundebesitzer selbst war jedenfalls auch alles andere als dünn.

Advertisements