The Börghain

Manchmal passieren hier schon merkwürdige Sachen. Wie eine Außerirdische kam die Frau auf uns zu. In unserem S-Bahnhof, der nun wirklich nicht in der Innenstadt liegt. „Excuse me!“ Ihr Englisch war skandinavisch gefärbt und sie nuschelte. Die Augen waren hinter einer sehr großen Stubenfliegerbrille versteckt. Der Kleidungsstil eine Mischung aus Hippieklamotten und teuren Marken. Derzeit laufen viele so herum. Wobei die Hippieklamotten vor allem bunt und ebenfalls teure Marken sind. Man sieht es ihnen nur nicht an. „Excuse me! Which way to the Börghain?“ Wie gesagt, wir standen vor den Rolltreppen, die zu den Bahnsteigen führten. Der S-Bahnhof, von dem ich spreche, liegt schon im Grünen. Hier überhaupt das Wort „The Börghain“ zu hören, ist wahnsinnig exotisch. Hier steigen Leute höchstens aus, weil sie zu ihren Lauben, zum Schwimmbad oder zum Park wollen. Oder weil sie hier wohnen. Die steigen da doch nicht aus, weil sie ihre Nächte im Drogenrausch im zuckenden Rhythmus eintöniger Musik verbringen wollen. (Wobei: was nachts in den Lauben so vor sich geht, weiß ich ja nicht). „This way!“ Wir wiesen ihr den Weg zur rechten Seite. Dort fahren Züge, die Reisende in die Innenstadt bringen. Es war zu kompliziert, ihr zu erklären, wo sie dann umsteigen müsste. Darum ließen wir es. Aber spätestens an der Friedrichstraße würde ihr ja vielleicht ein Licht aufgehen. Für einen Moment spielte ich mit den Gedanken, was passiert wäre, hätten wir ihr den anderen Bahnsteig empfohlen. Da wäre sie dann in eine exotische Welt – je nach Endhaltestelle der Bahn – geraten, weit weg vom Börghain, hinaus in die Vorstadt, in die Natur oder einfach nach Brandenburg. Das hätte eine lebensverändernde Erfahrung werden können. Es war übrigens Sonntag und noch nicht einmal 12 Uhr.

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