Zirkuskind

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Papa war ein rollender Stein
Mama: eine Königin
Sie: Seiltänzerin

Wenn sie auf dem Seil steht
sieht sie nur noch Münder
Vor dem Herabfallen
hat sie keine Angst
nur vor den Gesichtern

Der Clown lacht
wenn sie oben steht
und er unten
Blutunterlaufene Clownsaugen
bröckelnde Schminke
ein roter Mund
gelbe Zähne
Sie kann ihren Eltern nie sagen,
dass ihr Atem stockt
dass sie weglaufen will
vor diesen Augen
Die Raubtierzähne werden sie fressen.
und sie soll auf dem Seil tanzen!

Vor dem Löwen hat sie keine Angst
nur vor den gelben Zähnen

Sie atmet Sägespäne
kleine Pfeile in der Lunge
manchmal weint sie
vor Schmerz

Papa kann sie nicht hören.
Mama: wollte es nicht wissen.
Sie: Lebenskünstlerin

schwebend über dem Abgrund

(Kleine Bemerkung: Das Gedicht stammt noch aus dem Studium im Biografischen und Kreativen Schreiben; habe es vorkurzem wieder entdeckt. Es entsprang aus einer Übung, in der ich von einer Partnerstudierenden einen Ort und eine emotionale Verfassung genannt bekam. Bei mir war das „Zirkus“ als Ort. Und als emotionale Verfassung war es, glaube ich, Unbehagen.)

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