Mai

Dem Gedicht liegt die gleiche Übung wie im April zugrunde, aber diesmal ging es um einen „Gegenstand, der sonst nicht viel Beachtung findet.“ Ebenfalls eine Gedichtübung aus dem Kreativen Schreiben nach Lutz von Werder. Erst Ideen und Metaphern sammeln, dann schreiben. In dem Fall war es sagenhaft schwer für mich, keine Ideen, keine Metaphern, nicht einmal der Gegenstand war klar bis mein Blick auf die Türklinke fiel. Hatte ich jemals schon über eine Tür geschrieben? Und wenn bei mir nichts mehr geht, dann fange ich an zu reimen. Ein Reim kann sehr trostvoll sein und Halt geben. Wirklich! Mein Ehrgeiz war es dann nur noch, dass sich jede Zeile reimt. Der Inhalt war mir ehrlich gesagt fast schon egal, ist aber sehr tiefgründig und biografisch geworden. Ehrlich!

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Die Tür

 

Ich kannte mal eine Tür

im Winter quietschte sie wie ein Tier

sie war eine wunderschöne Altbautür

jetzt leb ich lange schon ohne ihr

 

Sie quietschte wie ein Karnickel, das man quälte

weil Berliner Altbau und im Winter diese Kälte

die Luft so eisig, dass ich vor Husten bellte

bevor die Klingel an der Wohnung schellte

 

Im Kaninchenfellmantel trat ich endlich ein

die Tür fiel zu, ich fühlte mich klein

schnell schaltete ich das Radio ein

Mutter kochte Klopse mit Eisbein

 

Ich kannte mal eine Tür

sie quietschte wie ein Tier

ich bellte, bevor ich schellte

und immer war da Eisbein, das mich quälte

 

 

Isolde Peter

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