Wo liegt Mandarinendorf?

Früher habe ich in Berliner Bezirken gewohnt, in die sich niemand traute. Außer mir. Dann zog ich in einen Bezirk, den meine Tochter, damals vier, Mandarinendorf nannte. Das klang so schön und passend. Süß und exotisch wie eine Mandarine und doch irgendwo ein Dorf. So ist Berlin. Und Mandarinendorf ist weit draußen, aber immer noch Großstadt. Im Sommer riecht es dort nach frisch gemähtem Gras. In der Hitze tropft das Schlumpfeis von Hennig künstlich blau auf den Gehweg.

 

Oder um es mit einem Akrostichon zu sagen:

 

Mandarinendorf
Meistens ist es hier wie
anderswo auch,
naturbelassen und betoniert,
dörflich oder großstädtisch,
aber eben Berlin –
randständig oder mitten im Ring,
immer raue Schale, harter Kern,
nie langweilig,
eine große Suppe,
neongelb und rot und blau,
die ständig gerührt wird,
oft geschmacklos oder
richtig auf dem Punkt:
frisch, aber mit Zusatzstoffen.
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