Mai

Dem Gedicht liegt die gleiche Übung wie im April zugrunde, aber diesmal ging es um einen „Gegenstand, der sonst nicht viel Beachtung findet.“ Ebenfalls eine Gedichtübung aus dem Kreativen Schreiben nach Lutz von Werder. Erst Ideen und Metaphern sammeln, dann schreiben. In dem Fall war es sagenhaft schwer für mich, keine Ideen, keine Metaphern, nicht einmal der Gegenstand war klar bis mein Blick auf die Türklinke fiel. Hatte ich jemals schon über eine Tür geschrieben? Und wenn bei mir nichts mehr geht, dann fange ich an zu reimen. Ein Reim kann sehr trostvoll sein und Halt geben. Wirklich! Mein Ehrgeiz war es dann nur noch, dass sich jede Zeile reimt. Der Inhalt war mir ehrlich gesagt fast schon egal, ist aber sehr tiefgründig und biografisch geworden. Ehrlich!

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Die Tür

 

Ich kannte mal eine Tür

im Winter quietschte sie wie ein Tier

sie war eine wunderschöne Altbautür

jetzt leb ich lange schon ohne ihr

 

Sie quietschte wie ein Karnickel, das man quälte

weil Berliner Altbau und im Winter diese Kälte

die Luft so eisig, dass ich vor Husten bellte

bevor die Klingel an der Wohnung schellte

 

Im Kaninchenfellmantel trat ich endlich ein

die Tür fiel zu, ich fühlte mich klein

schnell schaltete ich das Radio ein

Mutter kochte Klopse mit Eisbein

 

Ich kannte mal eine Tür

sie quietschte wie ein Tier

ich bellte, bevor ich schellte

und immer war da Eisbein, das mich quälte

 

 

Isolde Peter

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April

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So, es ist jetzt Juni und ich habe für zwei Monate noch kein Gedicht gepostet. Dabei war ich zwischendurch sogar aktiv im Kreativen Schreiben, u. a. im Schreibbankett mit ehemaligen Studienkolleginnen aus dem Studiengang Biografisches und Kreatives Schreiben. Es gab da auch eine schöne Übung nach Lutz von Werder. In Gedichtform ein Gefühl beschreiben. Dafür sucht man zunächst nach geeigneten Metaphern. Das Gefühl ist wie ein Gegenstand, ein Geschmack, ein Geruch, eine Erinnerung, ein Klang, ein Bild usw. Wir haben in einer Runde von vier per Zufallsprinzip das Gefühl „Scham“ festgelegt – ausgerechnet! Vom Gruppenprozess her, war es doch eine Erleichterung zu hören, dass das Gefühl „Scham“ bei allen mit sehr intensiven Wahrnehmungen verbunden ist. Mein Gedicht lautete dann folgendermaßen:

Scham

Scham ist das vergilbte Papier, auf dem Erinnerungen langsam verblassen.

Scham riecht nach überreifer Frucht, nach faulenden Bananen und gegorenen Erdbeeren.

Scham schmeckt nach schalem Bier.

Scham, das ist die Erinnerung an den Vater, der zu viel von dem schal gewordenen Bier trank und schwankte.

Scham klingt nach Gelächter, nach Gespött, nach Menschen, die mit nacktem Finger auf dich, auf ihn, auf angezogene Menschen und auf wunde Punkte zeigen.

Scham, das ist der Traum, in dem du dich noch einmal prüfen lassen musst, sonst bist du immer noch nicht fertig mit alledem, der Traum, in dem du nackt vor der Schulklasse stehst und nichts mehr weißt.

Scham, das ist deine Nacktheit auf der Bühne des Lebens.

 

Isolde Peter

 

 

Die Geschichte vom Schuhfinder

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Das Leben mit Kleinkind in Neukölln brachte es mit sich, dass ich öfter mit meinem Kind samt den kleinen Freundinnen und Freunden unterwegs war. Der Nachhauseweg vom Spielplatz oder Kindergarten war manchmal lang, die Langeweile ließ sich am Besten mit einer gut erzählten Geschichte überbrücken. Solche Geschichten werden durch das kindliche „Und was passierte dann?“ angetrieben. Ausgangspunkt bei dieser Geschichte hier war ein Schuh, der auf dem Gehweg lag. Das kommt in Neukölln nicht selten vor.  Als ich vor kurzem dieses Foto machte, fiel mir die Geschichte wieder ein.

Es war einmal ein Mann, der wohnte in Neukölln am Hermannplatz. Eines Tages ging er die Straße hoch, weil er einkaufen wollte, und plötzlich lag  mitten auf dem Weg ein Schuh. Es war ein besonders schöner Schuh, genau in der richtigen Größe, ein brauner Herrenschuh mit Schnürsenkel und fast noch neu.

„Hab ich ein Glück!“, dachte der Schuhfinder, aber dann fiel ihm ein, dass es ja nur ein Schuh war. Er suchte und schaute sich um, aber er konnte keinen weiteren braunen Schuh finden und so nahm er den einzelnen Schuh mit nach Hause und stellte ihn in sein Schuhregal. Er war also nur ein halber Glückspilz, aber stellt euch vor, von diesem Tag an fand er immer wieder Schuhe. Wenn er einkaufen oder einfach nur ein wenig spazieren ging oder wenn er auf dem Weg zum Zahnarzt war oder sich die Haare schneiden lassen musste: überall lagen Schuhe herum. Allerdings fand er immer nur einen Schuh, aber der war jedes Mal genau in seiner Größe. Er fand einen Cowboystiefel mit Absatz und einen grünen Turnschuh, einen weißen Lackschuh und einen schicken lila Schlangenlederschuh und eine rote Sportsandale. Sein Schuhregal wurde immer voller und voller und bald baute er sich ein neues Holzregal, nur für die Schuhe, die er ständig fand.

Er hatte in einem Jahr fast 84 Schuhe gefunden und zum Glück war es manchmal ein Schuh für den rechten und manchmal ein Schuh für den linken Fuß. Also fing er an, die Schuhe zusammen anzuziehen: den lila Schlangenlederschuh und den gelben Gummistiefel oder die roten Sportsandale und die schwarzen Reiterstiefel. Er freute sich, weil er so ungewöhnlich aussah, denn niemand in Neukölln trug so viele verschiedene Schuhe. „Jetzt bin ich doch ein ganzer Glückspilz!“, sagte sich der Schuhfinder. Eines Tages ging er wieder durch die Straßen, er hatte einen rosafarbenen Schuh mit Glitzer und eine rote Stiefelette an. Plötzlich stand vor ihm ein Mann, der auch zwei verschiedene Schuhe anhatte. Dieser Mann hatte genau denselben rosafarbenen Schuh mit Glitzer an und den lila Schlangenlederschuh. Wie konnte das sein? Schaute er in einen Spiegel oder war das sein Schuhzwilling?

„Sie haben ja meine Schuhe an!“, sagte der Schuhfinder zu dem anderen Mann.
„Stimmt nicht!“, sagte der andere Mann. „Sie haben doch einen rosafarbenen Glitzerschuh und eine rote Stiefelette an und ich ja wohl nicht!“.
„Aber Sie haben denselben rosafarbenen Glitzerschuh, am linken Fuß! Und ich am rechten! Und zu Hause habe ich auch so einen Schlangenlederschuh wie Sie einen anhaben!“
„Unglaublich!“, sagte der andere Mann. „Dann müssen Sie der Schuhfinder sein!“

Jetzt begann der andere Mann zu erzählen, dass er so schusselig war, dass er ständig seine Schuhe verlor. Immer wenn er spazieren oder einkaufen ging oder wenn er zum Zahnarzt oder zum Frisör musste, verlor einen Schuh. „Manchmal zwickt es mich am Zeh und dann ziehe ich den Schuh aus, um mich zu kratzen, und schwupps gehe ich weiter und merke zu spät, dass ich schon wieder nur einen Schuh anhabe!“, sagte er verlegen.
„Da haben Sie ja heute richtig Glück, dass Sie noch beide Schuhe anhaben!“, freute sich der Schuhfinder.
Der Schuhverlierer sah an sich herunter und meinte: „Ja, das stimmt, ich habe ja noch beide Schuhe an, welch ein Glück!“
Jetzt erzählte der Schuhfinder dem Schuhverlierer, dass er seit längerem schon immer wieder Schuhe fand, sie zu Hause in seinem Holzregal aufbewahrte, wenn er sie nicht an den Füßen trug.
„Man fällt schon auf!“, sagte der Schuhfinder, „Aber was soll ich machen, wenn ich immer Schuhe finde. Ich habe wenig Geld und kann mir nicht ständig Schuhe kaufen, da bin ich froh, wenn ich welche finde!“
Der Schuhverlierer nickte, er verstand das natürlich sehr gut, denn er verlor ja immer Schuhe und trug deshalb auch immer zwei verschiedene Schuhe.

 

Der Schuhverlierer lud den Schuhfinder zu sich ein, er wohnte gar nicht so weit entfernt von ihm. Da standen genau so viele Schuhe im Regal wie beim Schuhfinder. Sie tranken Waldmeisterbowle aus bunten Gläsern und aßen russisches Brot.
„Und jetzt?“, fragte der Schuhfinder. „Wollen Sie zu mir nach Hause kommen und ich gebe Ihnen die Schuhe alle wieder zurück? Es sind ja eigentlich Ihre Schuhe!“
Der Schuhverlierer überlegte.
„Ach Papperlapapp, behalten Sie die Schuhe, ich verliere sie ja doch nur. Wenn wir mal ein Paar gleiche Schuhe anhaben wollen, können wir ja tauschen!“

So wurden der Schuhverlierer und der Schuhfinder Freunde und manchmal gehen sie zusammen spazieren. Dann erinnert der Schuhfinder den Schuhverlierer daran, seinen Schuh wieder anzuziehen, wenn er einen Schuh auszieht, um sich am großen Zeh zu kratzen. Wenn er aber alleine spazieren geht, verliert der Schuhverlierer immer wieder mal einen Schuh und der Schuhfinder findet ihn nicht immer sofort. Deshalb und weil natürlich auch andere Menschen Schuhe verlieren, aber nur selten einen passenden verlorenen Schuh in ihrer Größe finden, liegen in Neukölln immer noch Schuhe auf dem Gehweg.

(c) Isolde Peter, http://www.mandarinendorf.de

 

Das März-Gedicht

cutup

(Da ich gerade feststellte, dass heute der 1. März ist und ein März-Gedicht eigentlich auch schon fällig ist, nehme ich hier ein Gedicht, das streng genommen letzten Sonntag im Rahmen des von mir geleiteten Schreibcafés in der Ratswaage entstanden ist. Wir haben Gedichte mit der sogenannten Cutup-Technik aus Textschnipseln entstehen lassen. Meines ist ein Beziehungsdrama geworden und ich schreibe es der Lesbarkeit willen noch einmal ab in Klarschrift.)

Suche

Seine Hühneraugenblicke schmerzen. Immer sieht er einen

Fettnapf, der keiner ist und macht

ein großes Beziehungsdrama daraus. Er

fragt sich: „Wer ist diese Frau?“

Das regt sie auf. Doch: Sie ist leider gegen Gewalt.

Er denkt in diesem Moment: „Sind Gedanken strafbar?“

Beide wissen: Niemand kann alles sein.

Das wäre so absurd wie die Frage:

„Ist 0,99999999999999999999999999999 … gleich 1?“

Ist es eben nicht. Er weiß: Marsmädchen sagen tausendmal ‚Nein‘ –

trotz ihrer zarten Schneewittchen-Haut.

Sie sagt: „Früher war ich ‚Ein ganz normales kleines Mädchen‘ und

du warst der treueste Fan, den ich mir wünschen konnte.“

Ich stehe vor dem Spiegel und verspüre Unruhe.

Auf die Plätze – fertig los!

 

 

Das Februar-Gedicht

schloss

(Mein Haiku ist inspiriert durch dieses Foto, das ich in der Nähe des Alexanderplatzes, dort wo früher der Palast der Republik stand und gerade das neue Stadtschloss entsteht, gemacht habe. Streng genommen ist es auch kein klassischer Haiku, aber ich versuche nicht so streng zu sein. Schon gar nicht beim kreativen Schreiben.)

Auf der Litfasssäule

tanzt die Prinzessin

vor dem kaputten Palast.

Das Januar-Gedicht

Mein Projekt für dieses Jahr ist es, jeden Monat hier ein Gedicht zu posten. Die werten Leserinnen und Leser dieses Blogs kennen es wahrscheinlich auch aus eigener Erfahrung: die Muse küsst einen leider immer an merkwürdigen Orten oder zu ungünstigen Zeiten. Dieses Gedicht hier fiel mir auf dem Rückweg aus dem schneebestürmten Hellersdorf ein. Ich schrieb es schnell in mein Notizbuch und komme erst jetzt dazu, mit dem Posten zu beginnen.

 

winter

Winter in Berlin

 

eisiger Wind bläst vom Ural

peitscht Wunden ins Gesicht

und macht die Stadt weiß und kahl

 

das Trottoir ist glatt gefroren

ihr hochsensibles Gleichgewicht haben

viele sofort verloren

 

beim Balancieren auf dünnem Eis

die flachen Dächer glitzern und

glänzen puderzuckerweiß

 

 

 

Kaffeetrinken in Mitte

Kaffeetrinken in Mitte

Fünf Latte
für die Männer
vom Start Up
schreit der Dicke

Fünf dicke Latte
schreit die Barista
mit der blonden
Perücke

Fünf Latte
im Becher
die Milch geschäumt
nicht geschüttelt
am Kapitalismus
wird hier ganz bestimmt
nicht gerüttelt

 

 

Deo ex Sprühdose

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Es war an einem der ersten Tage, an denen es in Berlin nach wochenlangem miesen Wetter, endlich einmal wärmer war. Es war ein Tag, an dem die Menschen dermaßen außer Häuschen über das traumhaft sonnige Wetter waren, dass sie sich sofort deutlich weniger bekleideten. Die S-Bahn, die bei Tageslicht fuhr ehe sie hinter dem Bahnhof Yorckstraße in den dunklen Schacht hinein glitt und Fahrgäste und Innenraum in kaltes Kunstlicht hüllte, ratterte fröhlich vor sich hin. In Friedenau stieg ein Pärchen zu, das sich noch weniger bekleidet gab als der Durchschnitt der Fahrgäste. Sie trugen Shorts und T-Shirts, die viel Haut frei ließen. Sie konnten es sich aber auch leisten, rein von der Körperästhetik her, was nicht heißen soll, dass andere Menschen es sich nicht leisten können. Leisten kann es sich jeder, aber es gut aussieht?

Bei dem Pärchen sah viel Haut mit kurzen Shorts und T-Shirt gut aus. Punkt. Dazu Sonnenbrillen (verspiegelt), Make up, hohe Schuhe, Reisegepäck und ein Schoßhündchen, das auf dem Arm getragen wurden. Kim Kardashian und Kanye West in der Berliner Touri-Version. Genau. Ich glaube, diese Beschreibung macht deutlich, was ich meine. Ein schönes Paar, ein Paar, das die S-Bahnfahrt weniger langweilig macht, weil es was zu gucken gibt.

Dann: Zwei Stationen weiter, die S-Bahn-Türen öffnen sich und der erste Stinker dieses Jahres stieg ein. Es charakterisiert den öffentlichen Nahverkehrs Berlins (sicher nicht nur den), dass das ganze Jahr über schlecht riechende Menschen in die Verkehrsmittel einsteigen und dort verkehren. Irgendwie scheinen dicke Anoraks oder Wintermäntel einen gewissen Isoliercharakter zu haben, der die Gerüche am kompletten Ausströmen hindert. Oder der Luftaustausch funktioniert schneller, wenn es im Waggon warm und außen kalt ist. Was weiß ich. Ich kann nur meine Beobachtungen mitteilen und wenn es wärmer wird, warte ich auf den ersten Stinker.

An besagtem Tag dieses Jahres war es soweit. Ein Mann stieg ein, den ich aus Personenschutzgründen nicht näher beschreiben werde. Es ist auch gar nicht so wichtig wie er aussah, weil sein Geruch das eigentliche Thema ist. Ein unsäglicher Geruch – kann ich nur sagen. Als ob sich Limburger Käse mit einer seit Jahren nicht geputzten Herrentoilette gepaart hätte und in die S-Bahn einsteigt. So ungefähr das Gegenteil von Kim Kardashian und Kanye West, die in der Touri-Version nach Opium von Yves Saint Laurent oder so einem Zeugs rochen.

Ich bin großstadt- und S-Bahnerfahren und glücklicherweise trug ich einen Schal. Der Mann (ja, es war ein Mann und die Stinkerquote bei Männern ist einfach am höchsten, da spreche ich aus Erfahrung) ging durch den Waggon und hinterließ diese Wolke aus Pech und Schwefel. Für einen kurzen Moment glaubt man ja in so einer Situation, es wäre eine Geruchshalluzination und könne nicht wahr sein. Aber dann wird einem plötzlich nur noch kotzübel und man denkt mit Schrecken wie groß die Abstände zwischen den S-Bahnhöfen sind.

Auf einmal wird klar, dass das Leben im Mittelalter rein geruchstechnisch furchtbar gewesen sein muss und es ist verständlich, dass sich die Adeligen mit Parfum besprühten. Stichwort Parfum: Ich hatte ja meinen Schal und als die Wolke immer dichter wurde, band ich mir diesen als Geruchsschutz um und atmete möglichst flach. Das schien auf die anderen Passagiere eine befreiende Wirkung zu haben, weil plötzlich einige hechelten, sich die Nase zuhielten oder sich Luft zufächelten (was in so einer Situation eher ungünstig ist!). Das Schoßhündchen von Touri-Kim reagierte nicht, Hunde sind ja an strengen Gerüchen eher interessiert. Wahrscheinlich dauerte es deshalb und wegen ihrer eigenen Hülle aus „Opium“ bis sie den Geruch wahrnahm. Dann hatte sie aber einen herzzerreißend angeekelten Gesichtsausdruck und wurde unter den Tonnen von Make up blass.

Kim griff in ihre gefakte Gucci-Tasche und holte ein rosa Deo-Spray heraus, stammelte mit – tatsächlich! – amerikanischem Akzent „Sorry“ und hüllte den Wagen in eine Wolke aus sehr billig riechendem Deo. Ich kann nicht sagen, was schlimmer war. Die Kombination aus Billig-Deo und Stinkergeruch ist so ziemlich das Schlimmste, was in der S-Bahn (oder U-Bahn) zu ertragen ist. Schon lange war ich nicht mehr so dankbar dafür, als der S-Bahnhof Anhalter Bahnhof in Sichtweite kam und ich dem Pest- und Deo-Odem des Waggons entfliehen konnte. Ich nahm mir vor, ab jetzt immer etwas dabei zu haben, um es Kim gleich zu tun und den Stinker-Geruch etwas entgegensetzen zu können.

Ich konnte mich aber nicht entscheiden, ob Kölnisch Wasser oder Lufterfrischerspray (Flieder oder Tanne?) das richtige Utensil wären. Ohne Schal fahr ich jedenfalls nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da kann es heiß sein wie es will.

 

Verrücktes Berlin

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Ich sehe in die Menschenmenge

Sie sind mir alle so unglaublich fremd

Ich schlängle mich aus der Enge

Und bemerke, wie sie mich mustern

Liegt es etwa an meinem Kleid?

 

Nein! Das kann es nicht sein

Die Menschen in Berlin sind alle verrückt!

Da falle ich doch nicht auf

Sie sind doch alle bunt, groß, klein

Oder – wie ich – mit Blumen geschmückt

 

Ich bemerke, dass sie nicht mich anschauen

Sie schauen ein bettelndes Kind an

Ich hoffe, es wurde nicht verhauen

So ist es in Berlin!

Es gibt gute und schlechte Seiten

Und sehr viele Schwierigkeiten

 

(von Mila Lausch)

Dadada

IMAG0673_1Das neue Jahr ist schon längst da und trägt die Ziffernfolge 2016. Im Jahr mit der Ziffernfolge 1916 wurde der Dadaismus begründet. Nicht dass ich das einfach so gewusst hätte. Neulich wurde es im Radio berichtet. Mir fällt bei Dadaismus immer die Karawane von Hugo Ball ein. Und das Lied Dadada aus den 80er Jahren. Das regte meinen Vater immer so wunderbar auf, dass so ein Lied in die Hitparade gelangen konnte. Mir gefiel es natürlich. Das Lied und die Dada-Bewegung haben wahrscheinlich nur gemeinsam, dass sie die Kunst vom Sinn befreit haben und ihr dadurch erst recht einen Sinn verleihen. Gestern habe ich jedenfalls in einer geselligen Schreibrunde mit einer dem Dadaismus (oder Herta Müller oder wem auch immer) entliehenen Kreativitätstechnik ein Gedicht entwickelt. Geschrieben kann ich ja nicht sagen, da es ausgeschnittene und geklebte Wörter sind. Es sind poetische und lustige Gedichte entstanden. Meins find ich … geheimnisvoll, so geheimnisvoll, dass ich auch immer noch rätsele, worin sein Inhalt besteht.