Das März-Gedicht

cutup

(Da ich gerade feststellte, dass heute der 1. März ist und ein März-Gedicht eigentlich auch schon fällig ist, nehme ich hier ein Gedicht, das streng genommen letzten Sonntag im Rahmen des von mir geleiteten Schreibcafés in der Ratswaage entstanden ist. Wir haben Gedichte mit der sogenannten Cutup-Technik aus Textschnipseln entstehen lassen. Meines ist ein Beziehungsdrama geworden und ich schreibe es der Lesbarkeit willen noch einmal ab in Klarschrift.)

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Seine Hühneraugenblicke schmerzen. Immer sieht er einen

Fettnapf, der keiner ist und macht

ein großes Beziehungsdrama daraus. Er

fragt sich: „Wer ist diese Frau?“

Das regt sie auf. Doch: Sie ist leider gegen Gewalt.

Er denkt in diesem Moment: „Sind Gedanken strafbar?“

Beide wissen: Niemand kann alles sein.

Das wäre so absurd wie die Frage:

„Ist 0,99999999999999999999999999999 … gleich 1?“

Ist es eben nicht. Er weiß: Marsmädchen sagen tausendmal ‚Nein‘ –

trotz ihrer zarten Schneewittchen-Haut.

Sie sagt: „Früher war ich ‚Ein ganz normales kleines Mädchen‘ und

du warst der treueste Fan, den ich mir wünschen konnte.“

Ich stehe vor dem Spiegel und verspüre Unruhe.

Auf die Plätze – fertig los!

 

 

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Das Januar-Gedicht

Mein Projekt für dieses Jahr ist es, jeden Monat hier ein Gedicht zu posten. Die werten Leserinnen und Leser dieses Blogs kennen es wahrscheinlich auch aus eigener Erfahrung: die Muse küsst einen leider immer an merkwürdigen Orten oder zu ungünstigen Zeiten. Dieses Gedicht hier fiel mir auf dem Rückweg aus dem schneebestürmten Hellersdorf ein. Ich schrieb es schnell in mein Notizbuch und komme erst jetzt dazu, mit dem Posten zu beginnen.

 

winter

Winter in Berlin

 

eisiger Wind bläst vom Ural

peitscht Wunden ins Gesicht

und macht die Stadt weiß und kahl

 

das Trottoir ist glatt gefroren

ihr hochsensibles Gleichgewicht haben

viele sofort verloren

 

beim Balancieren auf dünnem Eis

die flachen Dächer glitzern und

glänzen puderzuckerweiß

 

 

 

Kaffeetrinken in Mitte

Kaffeetrinken in Mitte

Fünf Latte
für die Männer
vom Start Up
schreit der Dicke

Fünf dicke Latte
schreit die Barista
mit der blonden
Perücke

Fünf Latte
im Becher
die Milch geschäumt
nicht geschüttelt
am Kapitalismus
wird hier ganz bestimmt
nicht gerüttelt

 

 

Dadada

IMAG0673_1Das neue Jahr ist schon längst da und trägt die Ziffernfolge 2016. Im Jahr mit der Ziffernfolge 1916 wurde der Dadaismus begründet. Nicht dass ich das einfach so gewusst hätte. Neulich wurde es im Radio berichtet. Mir fällt bei Dadaismus immer die Karawane von Hugo Ball ein. Und das Lied Dadada aus den 80er Jahren. Das regte meinen Vater immer so wunderbar auf, dass so ein Lied in die Hitparade gelangen konnte. Mir gefiel es natürlich. Das Lied und die Dada-Bewegung haben wahrscheinlich nur gemeinsam, dass sie die Kunst vom Sinn befreit haben und ihr dadurch erst recht einen Sinn verleihen. Gestern habe ich jedenfalls in einer geselligen Schreibrunde mit einer dem Dadaismus (oder Herta Müller oder wem auch immer) entliehenen Kreativitätstechnik ein Gedicht entwickelt. Geschrieben kann ich ja nicht sagen, da es ausgeschnittene und geklebte Wörter sind. Es sind poetische und lustige Gedichte entstanden. Meins find ich … geheimnisvoll, so geheimnisvoll, dass ich auch immer noch rätsele, worin sein Inhalt besteht.